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Quelle: Elke Piechatzek
Quelle: Piechatzek
Quelle: Alex Wolf
Quelle: DekanatSuedlicheKurpfalz
Quelle: Elke Piechatzek
Quelle: DekanatSuedlicheKurpfalz
Quelle: DekanatSuedlicheKurpfalz
Quelle: Piechatzek
Quelle: DekanatSuedlicheKurpfalz

Ökumenischer Konvent in Walldorf

- 19.10.2018 - 

Kirchen und der gesellschaftliche Zusammenhalt

„Wir sind ganz schön viele“ behauptet der Beauftragte der Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg bei Landtag und Landesregierung Volker Steinbrecher beim Ökumenischen Konvent der Südlichen Kurpfalz und des Dekanates Wiesloch im evangelischen Gemeindehaus Walldorf am Dienstag dieser Woche.

Quelle: Elke Piechatzek
zu Gast im Walldorfer Gemeindehaus
Quelle: Elke Piechatzek
Volker Steinbrecher
Quelle: Elke Piechatzek
Dekan Jürgen Grabetz
Quelle: Elke Piechatzek
Dekanin Annemarie Steinebrunner im Gespräch
Quelle: Elke Piechatzek
"Das leere Blatt"

“Über 70 % der baden- württembergischen Bevölkerung ist Mitglied in den Kirchen.“ Grund genug, als kirchliche Mitarbeitende der Region sich zum Austausch mit dem Beauftragten über die Landes- und Kommunalpolitik beim Ökumenischen Jahreskonvent zu versammeln und sich den Themen der Landespolitik zuzuwenden.

Steinbrecher schildert in einem Impulsreferat die protokollarischen Anlässe bei denen Kirchen und Fraktionen des Landtages in Verbindung stehen. Bei gemeinsamen Veranstaltungen und Gottesdiensten aber ebenso in den Ministerien und Fraktionen sind die Kirchenvertreter als Gesprächspartner gefragt und gesucht. 
Landespolitik schaue auf die Kirchen, nicht zuletzt weil sich dort alle Wählerschichten und alle Generationen wiederfinden.  Der Ministerpräsident sei überzeugt von dem Gedanken, dass Politik von der Freiheit her gestaltet werden muss. Steinbrecher erzählte, dass er die Gesellschaft oft mit einem leeren Blatt Papier vergleicht, in der Politik lediglich den Rahmen vorgibt aber nicht die Gestaltung des Blattes übernimmt. Kirche hält der grüne Ministerpräsident Kretschmann  für einen Partner neben anderen gesellschaftlichen Kräften. „Die Kirchenvertreter dagegen versuchen oft, klarzumachen, dass Kirche ein langjähriger Partner ist, der einige Gestaltungsräume schon bereits viele Jahre beschrieben habe“, schildert Steinbrecher die Gesprächslage.


„Ja es geht auch um Geld“ bei den Gesprächen zwischen Kirche und Politik, gab Steinbrecher zu. Die evangelische Dekanin Annemarie Steinebrunner hatte bei ihrer Begrüßung berichtet, diesen Kommentar oft in Gesprächen mit Kommunalpolitikern zu hören. Verständnis habe sie aber auch für die Frage nach dem Geld. „Es geht um gesellschaftliche Aufgaben, die Kirche für den Staat wahrnimmt.“

Nur ¾ der Kosten des Religionsunterrichtes sind durch staatliche Mittel gedeckt. Die Kirche finanziert diese Aufgabe aber gerne aus Überzeugung mit, so der Theologe weiter.
Die staatlichem Leistungen, die aus einem der jüngeren Staatskirchenverträge her rühren, sind laut Steinbrecher oft Gegenstand der Kritik. Der kirchliche Beauftragte schildert weiter, dass die Staatsleistungszahlungen  aus Enteignungen im letzten Jahrhundert in Baden Württemberg nur 4-5 % des Volumens der Kirchenmittel ausmachen.
Damit sei in Baden Württemberg die Abhängigkeit von politischen Entscheidungen aus finanzieller Sicht weniger gegeben als in anderen Bundesländern.
Die kooperative Trennung von Staat und Kirche in Deutschland hält Steinbrecher für eine Besonderheit in Europa. „Schauen Sie nach Frankreich z.B. Dort sieht das ganz anders aus. Der Staat und auch das Bundesverfassungsgericht habe die Förderung der christlichen Kirchen als Aufgabe stets im Blick.
„Die Regierenden suchen das Gespräch mit den Kirchen, weil die Kirchen in Deutschland einen wesentlichen Beitrag für die Gesellschaft leisten und darüber hinaus das größte Netzwerk mit professioneller Unterstützung bis in kleinste Kommunen unterhalten.“ 
Die Vertretung der Kirchen sorge bei Anfragen immer für eine „ökumenische Klammer.“  Beide Landeskirchen und beide Konfessionen werden jeweils mit einem Bischof bei Einladungen vertreten.

Voller Sorge  zeigt sich Steinbrecher über demokratiefeindliche Entwicklungen in einer desperater werdenden Gesellschaft. „Die Redezeit von rechten Politikern wird stets vom Thema „Massenzuwanderung“ bestimmt“, einem Begriff, den Steinbrecher für Angst machend hält, und der aus wahltaktischen Gründen strategisch benutzt werde.

„Die Kommunen in Baden-Württemberg kommen inzwischen gut mit den Geflüchteten Menschen zurecht.“ Davon ist Steinbrecher ist überzeugt. Er hat aber inzwischen den Eindruck, dass die parlamentarische Demokratie versagt, wenn es Einzelrednern gelingt, mit angstmachenden Themen Stimmung zu erzeugen, die der Sache nicht dienlich sind. „Demokratie ist vor allem eine lebendige Streitkultur auf der Sachebene. Oft wird doch inzwischen auf der persönlichen Ebene gezielt verletzt. Die evangelische Kirche hat bestimmte Vertreter der AfD deshalb auch von Einladungslisten genommen, weil diese sich rassistisch und staatsfeindlich äußern und das ist für uns mit dem christlichen Bild der Menschenwürde nicht mehr vereinbar.“
Steinbrecher hält es deshalb für notwendig, dass die Kirchen Partei ergreifen für die freiheitliche demokratische Grundordung.


„Diakonie und Caritas arbeiten mit der Landesregierung in vielen Fällen gut zusammen.“ Nachhaltigkeit und Klimaschutz seien ebenso gemeinsame Themen, die in dieser Regierung voran gebracht werden.

Die Zusammenarbeit vor Ort zwischen Bürgermeisteramt und Ortsgemeinde, der Umgang mit Missbrauchsfällen, aber auch rechtzeitige Pressearbeit bei Krisen vor Ort oder die Rolle der Kirche beim Zusammenhalt in der Gesellschaft  waren anschließend Themen der Gruppenarbeit der anwesenden Pfarrerinnen und Pfarrer und pädagogischen Mitarbeitenden in Kirchengemeinden der  Südlichen Kurpfalz.

Steinbrecher bat die Anwesenden im Schlussplädoyer , ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. „Glaube ist keine Privatsache.“ Den Hinweis auf eine Broschüre mit  diesem Namen, die zum Dialog mit Politik einlädt,  bot er den Anwesenden an.  Einblick in die Broschüre gibt es auf der Webseite www.ekisuedlichekurpfalz.de

Der katholische Dekan Jürgen Grabetz fasste die besorgten und kritischen Töne des Konventes zusammen in seiner Erkenntnis des Nachmittages. Demokratie sei wieder Arbeit, derer sich die Kirchen nicht entziehen kann.

„Wo Demokratie und Freiheit angegriffen wird, ist es unsere Pflicht , etwas zu sagen.“, betonte Grabetz.