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Quelle: Elke Piechatzek
Quelle: Piechatzek
Quelle: Alex Wolf
Quelle: DekanatSuedlicheKurpfalz
Quelle: Elke Piechatzek
Quelle: DekanatSuedlicheKurpfalz
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Quelle: Piechatzek
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„Landwirtschaft im Kreuzfeuer der Kritik“

Diplomagraringenieur Rolf Brauch spricht auf der Bezirksmännervesper

Groß war der Zuspruch bei der diesjährigen Bezirksmännervesper zum Thema „Landwirtschaft in der Kritik“. 65 Männer und Frauen aus Hockenheim und Brühl, Alt- und Neulussheim, Plankstadt und Eppelheim, aus Oftersheim und Rot-St.Leon waren am 5.11.2018 der Einladung ins Lutherhaus gefolgt.

Quelle: Esther Kraus
Quelle: Esther Kraus
Quelle: Esther Kraus
Sie waren gekommen, einmal zu genießen, was Hockenheimer Landwirte produzieren und in ihren Hofläden verkaufen: Hausmacher Wurst, selbst gefertigten Käse und Bauernbrot fanden großen Anklang, ebenso wie Lisas Bioapfelsaft.
 

Zum anderen waren sie gespannt, den momentanen Lagebericht zur Landwirtschaft von Dipl.agrar.Ing. Rolf Brauch, Regionalbeauftragten des ‚kirchlichen Dienstes auf der Lande’ zu hören.

Überraschendes hatte er zu bieten: „Nur noch 1,4% aller Erwerbtätigen sind heute in der Landwirtschaft tätig mit einer Wertschöpfung von 6%. Zusammen mit der Fortwirtschaft pflegen sie 80% der Fläche Baden-Württembergs. Zu ihnen dazu kommen 11% der Beschäftigen, die im ‚Agribusiness’ tätig sind – in Berufen die mit der Landwirtschaft in Verbindung stehen wie Traktoren-hersteller, Bäcker, Metzger, Molkereien, Lebensmittelproduzenten.

Die Leistung der Landwirtschaft für die Gesellschaft trägt einen unschätzbaren Beitrag für die Güte unserer Nahrungsmittel bei, die von der Gesellschaft viel zu wenig geachtet und beachtet wird. Stattdessen ist immer öfter Kritik an Industrialisierung der Landwirtschaft zu hören.“

Viele – so führte er weiter aus – verständen gar nicht mehr, wie Landwirtschaft heute funktioniere: „Nach dem Krieg gab es in Deutschland noch 1,6 Millionen Betriebe, heute lediglich noch 180 000. In den letzten 20 Jahren haben pro Jahr

20 0000 Betriebe geschlossen. Die freiwerdenden Ackerflächen sind in andere Betriebe übergegangen. Die Anbaumethoden, die landwirtschaftlichen Maschinen, die notwendigen Investitionen haben sich ernorm verändern. Heute überleben nur noch große Betriebe. Ihnen liegt eine große Bandbreite spezieller Bewirtschaftung zu Grunde wie Schweine- und Rindermast, Getreide, Rüben, Gemüse- und Obstanbau. Ohne 100 000de von saisonalen Arbeitskräften aus dem Osten kann heute gar keine Ernte mehr eingebracht werden.

Der Wandel in der Landwirtschaft ist unumkehrbar. Er geschieht in Schritten über Jahrzehnte hinweg. Damit er den Anforderungen an Klimagerechtigkeit, an gesunder Lebensmittelproduktion entsprechen kann, brauche es aber auch verlässliche Richtungen in der Landwirtschaftpolitik unserer Regierungen, die auch Jahrzehnte im Blick haben und nicht allein 4 Jahre Regierungsdauer. Die Landwirtschaft ist nicht das Problem, sondern die Lösung des Problems.“

In einem letzten Schritt wandte er sich dem heutigen Umgang mit Lebensmitteln zu. „Zum einen ist der heutige Fleischkonsum zu hoch. Die Tiermast benötige Futtermittel, die auf Ackerflächen angebaut werden, die für lebensnotwendigen

Grundlebensmittel benötigt würden. Zum anderen gehen 30% der produzierten Lebensmittel verloren: sie werden gekauft und dann weggeworfen, sie verderben beim Transport und der Lagerhaltung. Es wäre genug für alle auf der Welt da. Niemand müsste hungern.“

In seinem Schlussplädoyer rief er die Besucher auf, ihr eigenes Konsum-verhalten zu überdenken: regional, saisonal und fair zu kaufen. „Und wenn die Gesellschaft Forderungen an die Landwirtschaft hat, dann müsse sie dafür auch bezahlen.“

Heftig wurde im Anschluss diskutiert. Es war eine Männervesper, die zum Nachdenken brachte und neugierig machte, künftig mit anderen Augen auf Entwicklungen in der Landwirtschaft zu schauen.