Rechtzeitig Planen - über den Strukturplan Evangelischer Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz

Dekanin Annemarie Steinebrunner im Gespräch über den Strukturplan Evangelischer Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz Interview mit Elke Piechatzek, Dezember 2009

Elke Piechatzek (EP):
Frau Steinebrunner, alle Welt redet vom Kürzen und der Krise. Wie sieht die Situation in der Evangelischen Kirche Südliche Kurpfalz aus?

Steinebrunner :
Die kirchliche Landschaft verändert sich. Das gilt für die Landekirche genauso wie für die Südliche Kurpfalz.
Die Menschen in den Gemeinden werden älter, Seelsorge in den Altenheimen wird ein großes Aufgabengebiet oder ist es schon.
Viele Gemeinden werden zahlenmäßig kleiner, nicht nur durch Kirchenaustritte, sondern auch, weil wir es statistisch sehen können,
dass es in etlichen Gemeinden wesentlich mehr Beerdigungen als Taufen gibt. Es macht sich ein Trend bemerkbar, dass weniger Kinder getauft werden, selbst wenn Eltern noch der Kirche angehören.

Wenn Gemeinden kleiner werden, hat das natürlich Auswirkungen: finanziell, auf die Erhaltung und Nutzung der Gebäude, auf das Personal.
Gebäudemanagement ist ein großes Thema: Was können wir uns als Gemeinden noch an Gebäuden leisten, wo gibt es neue Nutzungsmöglichkeiten, neue Konzepte, wo können wir mit andere kooperieren, Gebäude gemeinsam nutzen?
Auch Personalfragen hängen natürlich damit zusammen. Wie viele Hauptamtliche können noch bezahlt werden, wo müssen wir auch da andere Wege gehen?

Die Haushaltslage der Kirche ist derzeit zwar angespannt, aber im Moment hat die Landeskirche keine Vorgaben gemacht, dass Stellen gestrichen werden müssen. Ich denke aber nicht, dass das so bleiben wird. Unsere beiden Kirchenbezirke haben allein in den vergangenen 10 Jahren etwa 4000 Gemeindeglieder verloren.

EP: Die Kürzungen Mitte der 90 er Jahre sind vielen noch unangenehm in Erinnerung. Wie will sich der Kirchenbezirk auf die Zukunft einstellen?

Steinebrunner :
Wir haben uns im Bezirkskirchenrat dazu Gedanken gemacht, wie unser Bezirk in den nächsten Jahren aussehen wird. Was sind unsere Aufgaben? Wo setzen wir Schwerpunkte? Wie sieht der Stellenplan aus? Wie kann die Arbeit möglichst gerecht verteilt werden?
Ein Stellenplanungsausschuss, zu dem auch Mitglieder außerhalb des Bezirkskirchenrats gehören, hat sich unsere Gemeinden im Kirchenbezirk angeschaut: die Zahl der Gemeindeglieder, Entwicklungstendenzen, die Zahl der Hauptamtlichen, Predigtstellen, die Häufigkeit von Gottesdiensten und Kasualien, welche besonderen Aufgaben gibt es. Kindergärten, Altenheime usw., um Vergleichskriterien zu haben.

EP: Was haben sie festgestellt?

Steinebrunner:
Wir haben bei unseren Recherchen festgestellt, dass es im Bezirk im Grunde nur zwei Gemeindeprofile gibt: die evangelisch geprägte Großgemeinde mit ein bis zwei Predigtstellen und oft mehreren Hauptamtlichen und die Diasporagemeinden mit mehreren kirchlichen Nebenorten (Wiesloch - Baiertal und Wiesloch - Paulusgemeinde).

Bei den Personalstellenzuweisungen der Landeskirche gibt es einen sogenannten „Strukturfaktor“. Er schafft zwischen den verschiedenen Profilen der Gemeinden einen gewissen Ausgleich.
Von den Aufgaben her gesehen sind die Unterschiede zwischen den Gemeinden nicht groß, das heißt, sie sind innerhalb der Profile vergleichbar.
Inzwischen hat auch fast jede Gemeinde einen Kindergarten oder ein Altenheim oder mehrere zu betreuen.

EP: Gibt es aber nicht mehr zu bedenken als nur Zahlen?

Steinebrunner:
Ja, bestimmt. Auch wenn die Zahlen zurückgehen, bin ich sicher, dass jeder Hauptamtliche in unserem Bezirk sagen wird und ich denke, das gilt für die ehrenamtlich Mitarbeitenden genau so: „Es ist eigentlich immer mehr, was wir zu tun haben. Wir merken nicht, dass die Gemeinden kleiner werden.

Die Belastung und auch Überbelastung nimmt zu. Ich denke, das hat damit zu tun, dass sich die Arbeit verändert und in vielem auch mühsamer wird.
Kirche verliert an Stellenwert in unserer Gesellschaft, es muss viel mehr auf Menschen zugegangen werden, sie kommen nicht mehr von selbst. Was brauchen die Menschen heute? Welche Angebote machen wir ihnen? Neue Wege gehen, kirchliches Profil zeigen in einer nicht mehr unbedingt christlichen Gesellschaft, das kostet Kraft.
Wir müssen im Blick haben, wie wir uns auch gegenseitig entlasten können und bedenken, was auch nicht mehr so weiterlaufen kann wie früher.

EP: Wie geht der Bezirkskirchenrat weiter vor?

Steinebrunner:
Der Bezirkskirchenrat will Strukturen schaffen, in denen Kooperationen von Gemeinden gefördert und die Dienstgemeinschaften gestärkt werden.
Die Gemeinden unseres Bezirks sind sechs Distrikten zugeordnet, die gemeinsam festgelegt wurden oder schon gewachsen sind.
In Zukunft werden wir in den Distrikten planen:

Wo kann noch mehr zusammengearbeitet werden? Aufgaben verteilt werden? Entlastet werden? Kooperiert werden? Stellvertretend Aufgaben übernommen werden?
Wenn diese Fragen ernsthaft bedacht werden, bedeutet das mehr Flexibilität der Hauptamtlichen und Gemeinden. Die Kooperationen werden wir durch Begleitung von außen mit unterstützen.

Außerdem wird es nötig sein, die Schwerpunkte, die in den Arbeitsbereich von Gemeindediakoninnen und Gemeindediakonen fallen und die pastoralen Aufgaben neu zu bedenken.
Es soll ein Weiterdenken dahingehend stattfinden, dass ggf. auch Kasualien im Rahmen des Dienstauftrages übernommen werden können. Z.B. könnte ein Gemeindediakon, der Altenseelsorge im Heim macht, auch die Beerdigungen dort übernehmen. Das muss aber in den jeweiligen Teams besprochen und geklärt werden.

EP: Sie sind früh mit diesen Überlegungen in die kirchliche Öffentlichkeit gegangen.

Steinebrunner:
Wir wollen das verantwortungsbewusst und auch transparent angehen, deshalb habe ich die Bezirkssynode im November 2009 über den Stand der Dinge informiert.
Wir werden uns vom Bezirkskirchenrat aus zunächst mit den Hauptamtlichen aus den jeweiligen Distrikten zusammen setzen und die Vorsitzenden der Kirchengemeinderäte der entsprechenden Gemeinden dazu bitten, um unsere Überlegungen bezüglich des jeweiligen Distrikts zu beraten

EP: Wie sind nun die nächsten Schritte?

Steinebrunner:
Wir wollen im nächsten Jahr alle sechs Distrikte entsprechend aufsuchen und so auf breiter Basis miteinander im Gespräch über die Zukunftsplanung unseres Bezirks kommen. Und dann natürlich auch in den einzelnen Gemeinden darüber reden.
Und dann, wenn wir mit den Gremien gesprochen haben, werden wir der Synode im Jahr 2011 das Gesamtkonzept vorstellen, wie wir uns die Zukunft des Bezirks vorstellen. Wir denken, das ist ein sinnvoller Weg.

EP: Danke für das Gespräch

Interview mit Dekanin Annemarie Steinebrunner als pdf

 

 
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