Burkhard Wulf
Der Vorsitzende der Kirchengemeinde Wiesloch stellt sich Interviewfragen von Alex Wolf, März 2009
Burkhard Wulf
Alex Wolf (AW): Bitte stellen Sie sich kurz vor.
Wulf: Ich bin 1942 in Ostpreußen geboren, aufgewachsen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Über verschiedene Stationen hat es mich 1985 mit der Familie von Stuttgart nach Wiesloch gezogen. Seit mehr als 41 Jahren bin ich mit meiner Frau Mia verheiratet. Wir haben einen verheirateten Sohn und hoffen jetzt auf ein paar Enkelkinder.
Als gelernter Fernmeldemonteur (heute Informationselektroniker) habe ich in meiner beruflichen Laufbahn vom Durchbruch stemmen mit Hammer und Meißel auf dem Bau, Kabel verlegen, Telefonanlagen und Datenverarbeitungsmaschinen installieren und reparieren, bis zur Leitung einer ca. 100 Mitarbeiter starken technischen Unterstützungsabteilung für kommerzielle Großrechner, die ganze Bandbreite eines Service-Mannes durchlebt. Glücklich beenden konnte ich meine berufliche Laufbahn im Spätjahr 2001. Danach ging es dann nahtlos in die vielfältigen Aufgaben für die Kirchengemeinde.
AW: Was macht für Sie das Amt des Vorsitzenden der Kirchengemeinde Wiesloch aus? Warum engagieren Sie sich überhaupt für die Kirche?
Wulf:
Ich verstehe das Amt als Mittler, als Bindeglied zwischen den Pfarreien. Zum einen in der administrativen Arbeit, aber auch immer wieder als Mahner eines engeren Zusammenrückens der Pfarrgemeinden. Ich fühle mich allen drei Gemeinden gleich verpflichtet und glaube, wir haben nur eine langfristige Überlebenschance, wenn wir zusammenrücken. Für mich besteht die Aufgabe des Vorsitzenden darin, dabei mitzuwirken, dass für die langfristige Weitergabe des Wort Gottes die dafür nötige Infrastruktur solide zur Verfügung gestellt werden kann. Und die Kirche gibt uns die Freiheit, die Botschaft Jesu in seiner ganzen Tiefe und Breite zu leben und zu verkünden.
AW: Wie sehen Sie die Schwerpunkte der 3 Teil-Gemeinden in der Kirchengemeinde als "Neutraler"?
Wulf:
Zu Beginn meiner ersten Amtszeit habe ich versprochen, alle drei Pfarrgemeinden mit der gleichen Elle zu messen. Das gilt für mich immer noch. Die Gemeinden führen alle ein intensives, unterschiedliches Eigenleben. Es wäre für mich noch schöner, wenn dieses intensive Eigenleben der Gemeinden noch stärker verzahnt werden könnte und sie sich als Teile der Kirchengemeinde fühlten. Jetzt habe ich häufig den Eindruck, die Kirchengemeinde ist die Summe der unterschiedlichsten Einzelaktivitäten.
AW: Welche zukünftigen Herausforderungen sehen Sie für die Gesamt-Kirchengemeinde?
Wulf:
Ich bin fest davon überzeugt, die Kirchengemeinde hat nur dann eine Zukunft, im größer werdenden Stimmengewirr in der Stadt Gehör zu finden, wenn sie sich nicht zu sehr zersplittert. Wir sollten uns anstrengen, ein kleiner funkelnder Diamant zu bleiben, der nicht zum Sandkorn zerrieben wird. Die knapper werdenden finanziellen Mittel müssen klug und effizient eingesetzt werden, damit wir auch morgen und übermorgen noch aktiv und präsent sein können.
AW : Wenn Sie jemanden ganz berühmtes treffen könnten - gleich ob lebend, gestorben oder fiktiv - wer würde das sein und warum?
Wulf:
Da käme ich nicht mit einem aus. Ganz aktuell natürlich mit Barack Obama, aber auch Nelson Mandela, Mahatma Gandhi, Deng Xiaoping , Leonardo da Vinci, Kopernikus, Kant, Martin Luther, Jesus. Es gäbe noch sehr viele mehr. Aber wenn es wirklich nur eine Person sein dürfte, dann Artur Wulf, meinen Vater. Er ist im Alter von 32 Jahren im Januar 1943 vor Stalingrad vermisst. Von ihm würde ich gerne wissen, was hat er mir mit seinen Genen mitgegeben. Bei den anderen fasziniert mich ihre Ausdauer, ihren Weg trotz aller Schwierigkeiten gegangen zu sein und ein großes Erbe hinterlassen zu haben. Von Obama wünsche ich mir das Erbe erst noch.
AW: Welche Hobbies haben Sie und was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
Wulf:
Ich lese gerne. Allerdings wenig sogenannte Literatur. Eher Artikel über Gott und die Welt, wobei mich bei der Welt die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mechanismen sehr interessieren. Im Urlaub wandere ich gerne, am liebsten in den Alpen, auf Hochgebirgswanderwegen. Unvergessen bleibt für mich die Nord-Süd Alpenüberquerung ohne technische Hilfsmittel wie Bus oder Bergbahn mit meinem Sohn Daniel.
Hier in Wiesloch laufe ich sehr gerne. Auch mit meiner Frau, die läuft noch mehr als ich. Höhepunkte waren der Eine-Welt-Kindergarten-Halb-Marathon-Lauf in Rot mit einer Gruppe von über 100 Läufern zur finanziellen Unterstützung der Einrichtung. Gerne erinnern sich meine Frau und ich auch an unseren gemeinsamen Marathon, der uns 41 km durch Frankfurt führte. Oh ja, da gibt es auch noch unseren Yoshi (der Größte, der Beste, auf japanisch) ein tibetischer Hütehund, der viel Auslauf und Pflege benötigt. Und dann leben wir gerne mit unseren Freunden und Bekannten, Essen, ein guter Wein, viele Gespräche. Und wenn wir ganz übermütig werden, gehen wir in die Konzerte von Tina Turner, der Rolling Stones, Eric Clapton, Simon & Garfunkel, Leonhard Cohen, BAP, Herbert Grönemeyer, Fats Domino und und und.