Das Forum Pflegende Angehörige im Schwetzinger Hebelhaus

Elke Piechatzek berichtet vom Besuch beim Gesprächskreis Pflegende Angehörige im Schwetzinger Hebelhaus, Januar 2010

Schwimmende Kerzen mit guten Wünschen

Zum ersten Mal seit langer Zeit bin ich hier zur Ruhe gekommen“, erzählt eine Frau beim Gesprächskreis für pflegende Angehörige in Schwetzingen. „Es tut gut der Reihe nach zu erzählen und zuzuhören.“

Die Pflege des Mannes, der zu Weihnachten mit dem Notarzt ins Krankenhaus musste und nun zuhause wieder versorgt werden kann- die kostet Kraft und bringt viel Unruhe mit sich. Oder das Zusammenleben mit der Mutter, die an Alzheimer erkrankt ist und ständig redet

Ein dritter Teilnehmer schildert die Zeit im Pflegeheim, in dem seine Frau seit mehreren Jahren liegt. Sie teilt sich nur noch mit den Augen mit wegen ihrer Parkinsonerkrankung. „Ich schaue immer auf die rechte Hand- da sehe ich, ob sie eine Faust ballt oder entspannt ist.“

Seit 2005 treffen sich Menschen, die Angehörige pflegen einmal im Monat, um ins Gespräch zu kommen. Genaue Details werden erzählt, genaue Informationen von den Leiterinnen des Gesprächskreises gegeben.

Das Kirschkernkissen zum Füße wärmen ist genauso wichtig, wie die medizinische Information über Demenz.
Alles hat Zeit und Raum in diesem Gesprächskreis. Herzhaftes Lachen und Tränen und eben die guten Wünsche, die Teilnehmer den Kerzen beim Anzünden mitgeben um sie dann vorsichtig in ein Glas mit Wasser zu setzen.

Anne Arend Schulten und Monika Theilig gründeten den Gesprächskreis 2005. Seit dieser Zeit entstand ein großes Netzwerk der Institutionen mit hoher Fachlichkeit und Qualität. Die Volkshochschule Schwetzingen, das Seniorenbüro, die Nachbarschaftshilfe, die Kirchliche Sozialstation und Diakonisches Werk sind Mitbegründer. Im Laufe der Jahre kamen viele Institutionen dazu, die sich im Forum Pflegende Angehörige zusammengeschlossen haben.

Mitglieder sind außerdem der Diakonieverein Schwetzingen, der auch finanziell mit unterstützt, die Hospizgemeinschaft Schwetzingen, das Geriatrische Konsil des Krankenhauses Schwetzingen, das Dialysezentrum und das Altenpflegeheim Schwetzingen.

Die Zusammensetzung des Forums, das sich zweimal im Jahr trifft, ist hochkarätig. Die Leitungen der jeweiligen Institutionen treffen sich dort zum fachlichen Austausch. Seit 2006 finden darüber hinaus vier Fachvorträge im Jahr statt.

Viele Menschen, meist pflegende Angehörige, fühlten sich im wahrsten Sinne des Wortes in diesen fünf Jahren „gut beraten“. Themen wie Geriatrie, Demenz, Selbstpflege, aber auch die Fragen zum sich immer wieder verändernden Pflegeprozess sind Teil der Arbeit im Gesprächskreis.

Anne Arend Schulten und Monika Theilig sind Netzwerkerinnen, die aus der Arbeit mit den Angehörigen heraus sich Themengebieten annehmen und dazu kompetente Fachkräfte suchen und in ihre Arbeit einbinden.

„Was machen wir hier eigentlich?“ Die Netzwerkerin Monika Theilig beantwortet die Frage aus ihrer langjährigen Erfahrung heraus. „Der erste und oft auch schwierigste Schritt besteht darin, die Angehörigen aus dem anstrengenden Pflegealltag für eine kurze Zeit heraus zu holen. Wir möchten im Gesprächskreis in geschützter Atmosphäre Selbstbewusstsein und Informationen rund um Pflege vermitteln, die neue Lebensqualität, neue Kraft und Stabilität geben können. Unser Anliegen ist es, positive Aspekte weiterzugeben, damit der Angehörige nicht nur als Pflegekraft gestärkt wird, sondern ebenso als ganzer Mensch mit all seinen Gefühlen und Empfindungen.“

Pflege von Angehörigen treibt oft in die Isolation. Die Strukturen der Familien sind außer Kraft. Das Mobile des Gebens und Nehmens ist erschüttert. „Oft merken die Angehörigen viel zu spät, wie entkräftet sie von der Pflege sind“.
Anne Arend Schulten, die Mitinitiatorin des Forums und ebenfalls erfahrene Netzwerkerin, fragt deshalb mitfühlend nach. „Wie geht es Ihnen dabei?“ Und nach langen Erzählungen über den zu pflegenden Partner, setzt sie nach mit der Frage: „Wie ist der Nachtschlaf?“ Und es wird deutlich. Hier ist der Gradmesser für die Erschöpfung der Pflegenden. „ Mit Schlafmitteln ein paar Stunden. Es ist gut.“ so eine Teilnehmerin.

Kompetenz ist hier Voraussetzung: Monika Theilig hat als Seelsorgefachkraft die Nachbarschaftshilfe Schwetzingen vor sieben Jahren mit gegründet und leitet seither diese Einrichtung. Sie verantwortet mit über 60 Mitarbeiter/innen ein Netzwerk der Hilfe im hauswirtschaftlichen Bereich, in der Betreuung, Begleitung und Beratung. Anne Arend-Schulten mit über 25 jähriger Erfahrung in Pflege, Palliativ Care, Pädagogik und Therapie arbeitet selbstständig als Fachreferentin im Bereich Pflege und Selbstpflege.

Die Teilnehmenden vertrauen den beiden Fachkräften und vertrauen sich ihnen an. So schwimmen die brennenden Kerzen mit ihren Wünschen in einer Umgebung, die Halt und Sicherheit gibt.

„Der Prozess vom Wissen, dass es ein solches Hilfsangebot gibt, bis zum Hingehen und Wahrnehmen ist ein langer Weg für die pflegenden Angehörigen“, so Anne Arend Schulten. „Wenn dieser Schritt dann erst einmal vollzogen ist, wünschen sich viele, länger miteinander im Gespräch zu bleiben. Manchmal gelingt es kleine Lösungsschritte zu finden und zu merken, dass man nicht alleine ist: dann ist es wie ein großes Aha – Erlebnis“ ergänzt Monika Theilig

Elke Piechatzek

Forum Pflegende Angehörige
Vorträge 2010
Hebelsaal, Hildastrasse 4a, 68723 Schwetzingen


"Wertschätzende Kommunikation"
Integrative Validation als Brücke zu Menschen mit Demenz

22. April 2010 von 19.00 - 21.00 Uhr

Referentin: Frau Monika Weis, exam. Altenpflegerin, Fachkraft Gerontopsychiatrie, Hockenheim


"Kostbarer Nachtschlaf"
Umgang mit Schlafstörungen bei Menschen mit Demenz und deren Auswirkungen auf Angehörige

17. Juni 2010 von 19.30 - 21.00 Uhr


Referent: Dr. Jürgen Ehret, Leiter des Geriatrischen Konsils Schwetzingen


"Patientenverfügung- mal menschlich gesehen"
Man hört so viel: was spricht dafür und was dagegen?

21. Oktober 2010 von 19.30 - 21.00 Uhr


Referentin: Frau Monika Hanke, Sozialarbeiterin am PZN und systemische Therapeutin

Nähere Informationen bei

Monika Theilig, Nachbarschaftshilfe Schwetzingen
Hildastr. 4a, 68723 Schwetzingen
Tel: 06202 / 957 124

und Anne Arend Schulten,
Maiblumenweg 9
68782 Brühl

Tel.: 06202 70 37 73
Fax: 06202 70 37 72
Mobil: 0173 161 84 16
mail@pflege-leicht.com

 

 
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