Friedrichstift in Leimen - Hauptgebäude
Elke Piechatzek im Gespräch mit dem Leiter des Friedrichstiftes Leimen. Artikel vom 8. Juli 2009
Eine moderne Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung verbirgt sich unter dem Namen Friedrichstift in Leimen. Neben den Angeboten für männliche Kinder und Jugendliche in Wohngruppen gibt es zahlreiche ambulante und teilstationäre Angebote von den insgesamt 50 Mitarbeitenden des Friedrichstiftes
Bernd Niepert, der Leiter des Friedrichstiftes ist seit über 30 Jahren in der Einrichtung. Er hat stets auf die Zeichen der Zeit reagiert und verantwortet seit 1995 als Leiter des Friedrichstiftes die Umsetzung von zahlreichen Ideen.
Aus dem Evangelischen Schülerheim, das seit 1917 aus einer Stiftung des Großherzog Friedrich II von Baden hervorging, ist inzwischen eine anerkannte, hochkompetente Kinder- und Jugendhilfeinstitution geworden, die in Leimen stets neue Wege gehen konnte.
Bis nach dem Krieg war das Schülerheim eine Einrichtung für Söhne von Familien aus dem ländlichen Raum. Lehrer, Apotheker und Pfarrfamilien schickten ihre Söhne zur Schule nach Heidelberg und zum Wohnen ins Evangelische Schülerheim. Bis heute wirkt dieser Ruf nach und der Anteil von Schülern weiterbildender Schulen in den Wohnangeboten des Friedrichstiftes ist nach wie vor groß.
In den 70 er Jahren veränderte sich das Schülerheim wie viele andere Jugendheime hin zu einer Einrichtung für Jugendliche mit „besonderem Erziehungsbedarf“. Die Zusammenarbeit mit Jugendämtern und die neuen gesetzlichen Regelungen führten zunehmend zu einer Professionalisierung der Jugendhilfe. Das Friedrichstift hat diese Entwicklungen mit hoher fachlicher Kompetenz wahrgenommen und ist inzwischen viel mehr als nur ein Heim zur Erziehung von Jungen geworden.
„ Heime sollen sich öffnen in den sozialen Raum hinein“, so lautet die Grundthese, die Bernd Niepert eindrucksvoll bestätigt.
Der Basketballplatz neben den Gebäuden des Friedrichstiftes war in den 90 er Jahren ein Treffpunkt für Jugendliche der immer größer werdenden Kleinstadt Leimen. Die Stadtentwicklung führte zu Stadttypischen Fragen, wie z.B. was man für Vereinsungebundene Jugendliche tun kann. Für die Mitarbeiter des Friedrichstiftes war die Teilnahme an einem daraus entstehenden Arbeitskreis der Stadt selbstverständlich. Die Strategie der kleinen Schritte des Friedrichstiftes in diesen Arbeitsfeldern führte zum Erfolg. Aus einer Felduntersuchung mit Jugendlichen bzgl. Ihrer Bedarfe entstand zunächst ein kleiner Treff am Basketballplatz. Die niedrigschwelligen Angebote offener Jugendarbeit zahlten sich aus. Heute trägt das Friedrichstift die fachliche Verantwortung für die sechs Mitarbeitenden der drei offenen Jugendtreffs der Stadt Leimen.
Seit 2000 engagiert sich das Friedrichstift auch in der Schulsozialarbeit.
„Die präventive Arbeit in den Schulen war die logische Konsequenz für die Jugendhilfe in Leimen“, so Niepert. Die Schulen als Stätten der “Bildung und Erziehung“ nehmen die Angebote der Sozialpädagogen und Sozialarbeiter des Friedrichstiftes gerne wahr. „Den sozialpädagogischen Blick“ in die Schule zu bringen, ist für die beteiligten Schulen wichtig. So findet neben der Einzelfallarbeit in der Schule auch Elternarbeit statt. Die Sozialpädagogen arbeiten an den Themen der Schulentwicklung mit und unterstützen die Lehrerinnen und Lehrer bei ihrer Arbeit.
Niepert bezeichnet diese Arbeit als eine Form der „strukturellen Hilfe.“
Strukturelle Hilfe setzt an, bevor die Regelleistungen der Erziehungshilfe greifen. Sozialpädagogen z.B. in der Schule arbeiten, bevor Konfliktstoff entsteht und Einzelfälle kostenintensiver und aufwendiger bearbeitet werden müssen.
Die Zusammenarbeit im Kinder- und Jugendhilfenetz Leimen macht dies für alle Beteiligten immer wieder deutlich. Die Mitarbeiter der offenen Jugendtreffs, der Schulsozialarbeit, des Jugendamtes, der Polizei und anderen Institutionen der Jugendhilfe profitieren von dem großen Spektrum der Hilfe.
Die regelmäßige Teilnahme und Mitgestaltung am Kinder- und Jugendhilfenetz in Leimen stärkte den guten Ruf des Friedrichstiftes. Leimens frühzeitige präventive ambulante Jugendhilfe ist in der Region beispielhaft. „Die Kosten der Einzelfallhilfen im stationären Bereich sind in Leimen im statistischen Vergleich niedriger als anderswo“, berichtet Bernd Niepert.
Die Entwicklung von neuen Modellen der Erziehungshilfe hat auch in diesem Jahr das Friedrichstift Leimen bestimmt.
„Strukturelle heilpädagogische Hilfe“ in Kindertagesstätten, so heißt seit Januar 2009 das neue Angebot des Friedrichstiftes, das im Heidelberger Süden im Auftrag der Stadt Heidelberg angeboten wird.
Die Bewerbung des Friedrichstiftes für ein solches Angebot bei der Stadt Heidelberg überzeugte die Verantwortlichen. Zwei Halbtagesstellen für ausgebildete Heilpädagogen wurden geschaffen, die in drei Kindertagesstätten ein regelmäßiges heilpädagogisches Angebot machen.
„ Die Installation der neuen Hilfe ist gut angelaufen“, so Friedrichsstiftleiter Bernd Niepert, der fachlich auch dieses Angebot verantwortet. „Im Friedrichstift gibt es nun vielfältige Hilfsformen aus einer Hand für 3 – Jährige bis ins Erwachsenenalter“, berichtet er nicht ohne Stolz.
Im Gespräch mit Bernd Niepert wird deutlich. Hier berichtet einer, der einen reichhaltigen Schatz an Erfahrungen und eine hohe fachliche Kompetenz mitbringt. Niepert hat zusammen mit vielen anderen Mitarbeitenden im Friedrichstift und vielen Kooperationspartnern neue Wege gesucht und vielfältige Hilfen für Kinder und Jugendliche und ihren Familien entwickelt. Die wachsende Zahl der Mitarbeitenden und die vielfältigen Angebote machen dies mehr als deutlich. Im Aufsichtsrat des Diakonischen Werkes der Landeskirche in Baden sind seine Kompetenzen als Vertreter der Jugendhilfe ebenso gefragt, wie vor Ort.
„Wir dürfen vor lauter Arbeit nicht vergessen, nach den vorhandenen Ressourcen zu schauen“ so lautet sein Arbeitsmotto und diesen Tipp gibt er auch an den neuen Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz weiter.
Die vielfältigen Menschen unterschiedlichster diakonischer Arbeitsfelder, die sich im Bezirksdiakonieausschuss treffen, können bestimmt Synergieeffekte erzeugen. Davon ist Niepert überzeugt.
„ Mein Bestreben ist es, als Erziehungs- und Jugendhilfeeinrichtung in Leimen und dem südlichen Heidelberg wahrgenommen zu werden.“ Und dann fügt er noch hinzu: „Um es mit einem alten Begriff zu sagen: Wir müssen doch alles einsetzen für das Wohl der Kinder.“
Das Friedrichstift steht sicher beispielhaft dafür, immer wieder neue Ideen zu entwickeln und diese um zu setzen.
Elke Piechatzek
Friedrichstift in Leimen - Hauptgebäude