Gedanken zum Buß- und Bettag von Dekanin Annemarie Steinebrunner

Andacht erschienen in der Rhein-Neckar Zeitung Buß und Bettag 2011 von Annemarie Steinebrunner, Dekanin

Annemarie Steinebrunner

Es war kurz nach den Sommerferien, da fiel mein Blick beim Zeitungslesen auf eine Kolumne mit der Überschrift „“Buße tun“. Ich habe gestutzt, denn es konnte eigentlich nicht, wie von mir sofort erwartet, um den Buß- und Bettag gehen, der ist ja erst im November.

Es ging um die Finanzkrise und die Verantwortung der Banken - „Buße tun“ fordert der Redakteur. Ungewöhnlich, diese Worte im nicht kirchlichen Kontext zu lesen. Da sind sie uns vertraut, in der alltäglichen Sprache nicht. Und doch gehört es von der Sache her genau in den Alltag, in all die Verstrickungen, Widersprüche, Fehler, Irrwege, die wir erleben und bei denen wir sagen. „Stop! So kann es nicht weiter gehen!“

„Buße tun“ – das bedeutet schlicht und einfach: „Umkehren“. Und das ist nicht nur etwas für kirchliche Leute, sondern betrifft unser Menschsein. Ob religiös oder nicht: wir alle gehen unsere Lebenswege so gut wir können und machen manches auch falsch.

Wir haben verkehrte Ansätze, setzen auf die falschen Berater, haben zu sehr unseren Vorteil im Blick, sind vielleicht auch zu größenwahnsinnig, zu technikgläubig, verrennen uns manchmal, verstricken uns in Streit, auch wenn wir das eigentlich gar nicht wollen.

Es gibt unzählige Beispiele im Kleinen wie im Großen, bei denen wir spüren: „Es ist nicht richtig“, doch wir haben in der Regel genügend Strategien, es uns schön zu reden oder zu verdrängen, was da das Bauchgefühl uns signalisiert oder wir geben anderen die Schuld. „Was kann ich schon machen?“

Wir haben Angst, Schuld zuzugeben, das Gesicht zu verlieren, wenn wir eingestehen: „Das war falsch, ich habe mich geirrt, es tut mir Leid. Ein anderer Weg ist richtig.“
Das ist schwer, es kostet Mut, und doch ist es die einzige Möglichkeit, wirklich etwas zu verändern, besser zu machen, wenn ich Fehler einsehe und umkehre.

“Kehret um, und ihr werdet leben“ – so sagen es schon die alten Propheten in der Bibel. „Tut Buße, denn Gottes Reich ist nahe herbeigekommen“ – so sagt es Jesus.
Umkehren – leben –Gottes Segen spüren – das gehört alles zusammen.
Unser Weg ist nicht gradlinig, keiner unserer Wege. Da braucht es auch immer wieder Kurskorrekturen und Vergebung, immer wieder die Ausrichtung hin zu dem, was Gott für unser Leben will – kurz zusammengefasst:
Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, Solidarität miteinander. Das sind konkrete Anhaltspunkte für unser Handeln und Korrigieren.

Auch wenn der Buß-und Bettag schon lange kein gesetzlicher Feiertag mehr ist, feiern die evangelischen Christen an diesem Tag abends Gottesdienste und viele katholische Christen lassen sich mit dazu einladen, um sich zu erinnern und deutlich zu machen, dass es die Mög-lichkeit der Buße, der Umkehr und der Vergebung gibt und es notwendig ist, wirklich Not wendend, davon immer wieder Gebrauch zu machen und das Umkehren als etwas zu begreifen, das zu unserem Leben dazugehört.

Und am besten fangen wir bei uns selbst an.
Martin Luther hat von der „fröhliche Buße“ gesprochen. Umkehren ist etwas Gutes. Erkennen, dass ich es anders machen kann, ist positiv.

Es ist ein Zeichen von Freiheit, die Gott uns schenkt, dass wir Fehler einsehen können, Vergebung erfahren und es anders machen dürfen, besser.

Vielleicht erinnern Sie sich an das sogenannte „Unwort“ des vergangenen Jahres. Es war das Wort „alternativlos“. Bundeskanzlerin Merkel hat es geprägt im Zusammenhang mit der Griechenlandhilfe. Andere haben es aufgenommen für die Gesundheitsreform, das Bahnpro-jekt Stuttgart 21 oder den Ausbau des Frankfurter Flughafens.

„Alternativlos“ - ich mag das Wort nicht, weil es suggeriert, dass darüber nicht mehr diskutiert werden muss und es keine anderen Wege gibt. Der Glaube lehrt mich anderes. Es gibt immer Alternativen. Ich kann viele Wege gehen und auch umkehren, Gott sei Dank.

 

 
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