Philipp Tecklenburg dankt Oberkirchenrat Dr.Matthias Kreplin
Bericht von der Herbstsynode am 8.10.2010 in Neulußheim mit dem Schwerpunktthema: Taufe von Elke Piechatzek
Philipp Tecklenburg dankt Oberkirchenrat Dr.Matthias Kreplin
Gottes Zusage an uns ist voraussetzungslos, so lässt sich Oberkirchenrat Dr. Matthias Kreplins Taufverständnis beschreiben, das er den Vertretern der evangelischen Kirchengemeinden bei der Herbstsynode in Neulußheim am 8.Oktober schilderte.
Im Jahr der Taufe, das von der Evangelischen Kirche in Deutschland ausgerufen wurde und in Baden am landesweiten Taufsonntag zu über 1000 Taufen führte, war die Bezirkssynode zusammen gekommen, um die Tauferfahrungen in der Südlichen Kurpfalz auszuwerten.
Oberkirchenrat Kreplin erläuterte zu Beginn des Vormittags das reformatorische Taufverständnis, auf das sich die Lebensordnung Taufe der Landeskirche in Baden bezieht.
Taufe sei sichtbares und erfahrbares Wort Gottes. Kreplin stellte sich damit zwei Missverständnissen entgegen. Zum einen gegen das mystische Taufverständnis der Taufakt alleine mache die Taufe bereits gültig. "Ohne den Glauben gibt es keine Taufe", so Kreplin.
Zum anderen gegen die Vorstellung ein Bekenntnis oder der richtige Lebensentwurf sei Voraussetzung für eine echte Taufe.
"Die Taufe ist wie ein guter Witz. Wir können es nicht hervorbringen, das Lachen. Das Lachen entsteht oder wird verweigert. Es geht darum, den Witz so gut erzählen, dass das Lachen selbstverständlich wird." werden kann. „Mit diesem Vergleich macht Kreplin deutlich, das Glaube auch bei der Taufe nicht gemacht werden kann. „Der Heilige Geist lässt sich nicht festhalten. Taufe kann nur empfangen werden.", so Kreplin weiter. Die Voraussetzungslosigkeit von Gottes Zusage an uns sei es, die bei der Taufpraxis deutlich werden soll.
Steffen Groß
"Bei der Taufe geht es darum , Menschen ein Erlebnis verschaffen zu wollen," so Kreplins Begründung für die vielen besonderen Taufen, die in diesem Jahr an Seen und Flüssen in ganz Baden gefeiert wurden.
"Dass Taufe zu einem Event wird ist grundsätzlich noch kein Problem. Alles das den Erlebnischarakter der Taufe stärkt ist grundsätzlich gut.
Die Frage ist doch, ist die Taufe und ihre Bedeutung in den Mittelpunkt des Events gerückt?"
Katharina Wendler
Pfarrerin Katharina Wendler und Pfarrer Groß bejahten diese Frage ganz deutlich in ihrem Bericht über das geplante Tauffest am St.Leoner See, das dann wegen eines Sturmes in der Neulußheimer Kirche mit über 30 Täuflingen stattfand.
Die Taufvorbereitung und die Tauffamilien beim Tauffest waren für das Vorbereitungsteam etwas ganz Besonderes.
In zwei intensiven Taufseminaren wurden die Familien und Paten auf die Taufen vorbereitet.
Gemeindediakonin Carolin Gottfried schilderte eindrücklich die Erfahrungen bei den Taufseminaren, die von der Gestaltung von Taufkerzen bis hin zu Gesprächen über Gottes Gegenwart in den Lebenswegen der Tauffamilien viele Themen aufgriffen.
Pfarrvikarin Birte Schwiderski berichtete, dass Taufen in jedem Alter stattgefunden haben. Säuglinge, Kleinkinder, Jugendliche und Erwachsene wurden getauft. "Wir nehmen an, dass einige dieser Taufen ohne dieses besondere Fest nicht stattgefunden hätten." Oberkirchenrat Kreplin wies darauf hin, dass durch diese großen Feste auch Familien, sie sich sonst ein Tauffest nicht leisten können, angesprochen wurden. Die über 1000 Taufen in Baden am 10. Juli diesen Jahres zeigen: Die Taufe selbst ist ein missionarischer Akt und kann großzügig gespendet werden.
"Die Taufe eines Kindes konfessionsloser Eltern kann für diese ein Schritt in die Kirche sein." und "Die Existenz von Paten kann nicht eine Bedingung für eine Taufe sein."
Diese beiden Sätze Kreplins machten die Voraussetzungslosigkeit der Zuwendung Gottes in der evangelischen Taufpraxis vielleicht am deutlichsten. Die Zugehörigkeit zur Kirche von Eltern und Paten sind in der kirchlichen Praxis erwünscht und in der Lebensordnung auch vorgesehen. Kreplin sieht aber darin keinen Grund, konfessionslosen Eltern den Wunsch nach einer Taufe ihres Kindes zu verwehren. Gerade die Erfahrungen der Tauffeste in diesem Jahr zeigten, dass Interesse geweckt wurde und Menschen neu von der Kirche angesprochen werden konnten.
Dekanin Annemarie Steinebrunner und Pfarrer Philipp Tecklenburg im Gespräch
"Durch die Taufe werden wir in den Leib Christi aufgenommen auch ohne Gemeinde. Deshalb können Taufen auch ohne direkten Gemeindebezug stattfinden." Die Taufe, die vielleicht außerhalb der Gemeinde stattgefunden hat, könne durch Tauferinnerunsgottesdienste in den Gemeindegottesdienst zurück geholt werden.
"Wir müssen nah bei den Menschen sein, aber die Freiheit schenken", resümiert Kreplin die Rückfragen aus der Synode.“ Die Lebensordnung Taufe wird in den nächsten Jahren verändert werden, um diesen Erfahrungen Rechnung zu tragen“, stellte Kreplin in Aussicht.
Dekanin Steinebrunner ermutigte die Ältestenkreise, die Taufpraxis vor Ort zusammen mit den Pfarrerinnen und Pfarrern zu diskutieren.
Die Zusammenarbeit in Regionen mache es besser möglich, auf Anfragen flexibel zu reagieren.
Oberkirchenrat Kreplin wies abschließend auf das Jahr der Kirchenmusik 2012 hin und erhoffte sich ähnlich erfolgreiche Erfahrungen wie beim Jahr Taufe.
Die Synode verabschiedete sich außerdem von ihrem stellvertretenden Vorsitzenden Pfarrer Philipp Tecklenburg, Nußloch und wählte Pfarrer Detlev Schlling, Eppelheim zu seinem Nachfolger.
Wolfgang Krauth aus Leimen wurde als Stellvertreter in den Bezirkskirchenrat nachgewählt.
Nach einigen Informationen durch Prof.Dr. Michael Hauth zum Haushalt des Kirchenbezirkes und Beschlüssen zur weiteren Planung endete die Synode beim gemeinsamen Mittagessen.
Ein herzliches Dankeschön galt Pfarrerin Andrea Kampschröer für die Andacht zu Beginn der Synode in der Kirche und der Kirchengemeinde Neulußheim für ihre Gastfreundschaft.
Lebensordnung_Taufe.pdf (59KB)