"Die Eurokrise und die Reaktionen von Wirtschaft und Politik" Herr Gerhard Stratthaus, MDL, ehemaliger Finanzminister von Baden-Württemberg und Mitglied im Vorstand des Finanzmarktstabilisierungsfonds (Soffin) zu Gast im Bezirkskonvent Südliche Kurpfalz
Leimen. Der Bezirkskonvent des Evangelischen Kirchenbezirkes startete ins neue Jahr mit einem Gast aus der Politik.
"Eurokrise und Reaktionen aus Wirtschaft und Politik", lautete das Thema bei der Versammlung der Pfarrerinnen und Pfarrer und Gemeindediakone der 25 Kirchengemeinden der Südlichen Kurpfalz.
Mit Gerhard Stratthaus, MdL und Finanzminister a.D., begaben sich die Anwesenden auf eine Reise durch die Geschichte Europas und die Gründe der derzeitigen Eurokrise. Stratthaus schilderte in seinem Vortrag die Genese der Eurokrise.
Aus der Bankenkrise in den USA wurde eine Finanzmarktkrise, die schließlich auch die Realwirtschaft traf.
Die Staatsschuldenkrisen dieser Zeit verursache schließlich die Währungskrise, so Stratthaus in seinem Vortrag, der auch die Historie Europas im Blick hat.
Stratthaus forderte eine abgestimmte Finanz- und Wirtschaftspolitik in Europa. Die Währungskrise sei aber nur abzuwenden, wenn die Staatsverschuldungen durch Sparprogramme verringert werden. "Durch Rettungsschirme Zeit zu kaufen" sei die richtige Maßnahme. Die Banken müssen bei der Bewältigung der Krise zu ihrem "Kerngeschäft, der Förderung der realen Wirtschaft zurückkehren."
Wir brauchen Freiheit, aber auch Ordnung in der Wirtschaft, so Stratthaus weiter. "Und wir brauchen eine Kultur des gesunden Menschenverstandes"
"Die Kurpfalz ist unsere Heimat. Deutschland unser Vaterland. Europa unsere Zukunft." Mit diesen Worten endete Stratthaus seinen Vortrag, der besonders durch seine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen in der Politik und Wirtschaft lebendig wurde.
Die Rückfragen in der Diskussion bezogen sich auf Kernthemen der Kirche.
Die Frage nach Gerechtigkeit als handlungsleitendes Kriterium der Wirtschaft wurde leidenschaftlich diskutiert,
Stratthaus, der sich den anwesenden Theologen auch als ehemaliger Bildungsreferent vorstellte und von seiner ihn prägenden Zeit in der der Katholischen Kirche erzählte, gab den Anwesenden bei der Betonung der sozialen Fragen recht. Stratthaus hatte vor 45 Jahren im Heinrich-Pesch Haus, ein vom Jesuitenorden getragenes Bildungsinstitut in Ludwigshafen seine berufliche Laufbahn begonnen.
"Es wird Zeit, das Soziale wieder zu betonen", so sein Plädoyer.
Ob diese Fragen in der Sozialpolitik oder in der Wirtschaftspolitik zu lösen seien, wurde dagegen kontrovers diskutiert.
Dekanstellvertreter Andreas Maier dankte Stratthaus für seinen kurzen, interessanten und zugespitzten Vortrag.
Dekanin Annemarie Steinebrunner betonte bereits bei der gemeinsamen Andacht zu Beginn in der Leimener Kirche "Brücken bauen" als wesentliches Element der kirchlichen Arbeit. Gerechtigkeit und Soziales Handeln sind Kernthemen, die Kirche von Politik zu Recht fordert.
Bei der gemeinsamen Diskussion von Theologie und Politik im Bezirkskonvent wurde dies deutlich.
Elke Piechatzek