Was macht eine Dekanin? Frau Steinebrunner ?

Interview für den Eppelheimer Gemeindebrief mit Dekanin Annemarie Steinebrunner, Sommer 2014

Frage 1: Was macht eine Dekanin?

Kurz zusammengefasst habe ich in Zusammenarbeit mit anderen dafür zu sorgen, dass die Rahmenbedingungen für die Gemeinden im Bezirk so sind, dass sie ihre Aufgaben gut erfüllen können. Die Leitung des Kirchenbezirks geschieht nie in „einsamen“ Entscheidungen, sondern im Zusammenwirken von der Bezirkssynode, dem Bezirkskirchenrat und dem Dekanatsteam (Dekanin, Schuldekanin, stellv. Dekanin).
Das gefällt mir an der evangelischen Kirche, dass es im Miteinander und der gemeinsamen Verantwortung geht. Wir hatten bisher eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Dekanatsteam und dem Bezirkskirchenrat. Dafür bin ich dankbar, auch für das gute Miteinander in der Bezirkssynode. Ich bin zuversichtlich, dass das in den neuen Gremien auch so sein wird.
Ich bin als Dekanin Dienstvorgesetzte der Pfarrer und Pfarrerinnen und Gemeindediakone und Gemeindediakoninnen - und natürlich auch Ansprechpartnerin für Ältestenkreise und Gemeindeglieder, wenn es Fragen gibt oder Probleme. Mit vielen Menschen im Gespräch zu bleiben und kirchliche Ansprechpartnerin zu sein, nimmt viel Zeit in Anspruch, doch ich nehme mir gerne diese Zeit und halte es für wichtig.
Die bezirkliche Ebene ist eine Schaltstelle zwischen den Gemeinden und der Landeskirche. Ich bin mit verantwortlich, dass Pfarrstellen besetzt werden, Vertretungen und Vakanzen geregelt werden, die Dienstgemeinschaft gestärkt wird, der Kirchenbezirk möglichst gut nach außen vertreten wird und anderes mehr. Das Dekaninnenamt ist sehr vielseitig. Es ergeben sich eine Menge Kontakte und ich freue mich, wie vieles in den Gemeinden gut gelingt und wie viele engagierte Menschen es in den Gemeinden gibt – das sehen wir besonders bei den Visitationen. Und wenn es einmal nicht so gut läuft, dann ist es mein Anliegen, gemeinsam Wege zu finden, damit es besser wird.

Frage 2: Wie wird man eigentlich Dekanin?

Der Landesbischof schlägt Pfarrer oder Pfarrerinnen vor, die er für geeignet hält. Wenn die sich das vorstellen können oder auch von selbst ihr Interesse beim Landesbischof bekundet haben, finden verschiedene Gespräche statt und die Gemeinde, in der die künftige Dekanin, der künftige Dekan mitarbeiten wird und der Bezirkskirchenrat geben ein Votum ab, ob sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen können. Entscheidend ist dann die Bezirkssynode. Sie wählt den Dekan, die Dekanin auf acht Jahre.

Frage 3: Welche Bedeutung hat der Kirchenbezirk für die einzelnen Gemeinden und ihre Gemeindemitglieder?

Unsere Aufgabe in der Bezirksleitung ist es, die Gemeinden in ihrer Arbeit zu unterstützen. Die möglichst gerechte Verteilung der dem Kirchenbezirk von der Landeskirche zugewiesenen Stellendeputate gehört dazu, wie die Mitwirkung bei der Besetzung der Pfarr– und Gemeindediakonenstellen. Wir sind an der Ausbildung von Prädikanten und Prädikantinnen beteiligt, die hier regelmäßig einen wertvollen Dienst in den Gemeinden tun, wir kümmern uns um Vertretungspläne, bieten Fortbildungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Die Erwachsenenbildung ist bei uns ein großer Bereich, hier wird ein vielfältiges Programm für ganz verschiedene Zielgruppen angeboten. Auch die Diakonie ist ein großer Bereich. Das Diakonische Werk unterstützt die Gemeinden in ihrem diakonischen Engagement. Wir sind oft beratend in den Gemeinden unterwegs, unterstützen auch in der Öffentlichkeitsarbeit durch unsere Öffentlichkeitsreferentin. Wir organisieren größere Veranstaltungen zu bestimmten Themen und zum Austausch, denn wir wollen als Kirche möglichst vielen Menschen vielfältige Angebote zu Lebens – und Glaubensfragen machen. Und das tun wir auch gerne ökumenisch. Wir haben schon einige bezirkliche kirchenmusikalische Großprojekte veranstaltet, die Mitwirkenden und Zuhörenden viel Freude gemacht haben. Es ist schön, dass wir als großer Bezirk, der in der Fläche recht kompakt ist, die Chance haben, Menschen zusammenzubringen und Vernetzungen zu ermöglichen.

Im Juni haben wir unser erstes großes Bezirksfest im Gartenschaupark in Hockenheim gefeiert. Aus vielen Gemeinden sind Gruppen mit Fahrrädern gekommen und haben dabei gleich unsere Fahrradkarte des Kirchenbezirks genutzt. Der Tag war ein gelungenes Fest, das große Freude gemacht hat.

Frage 4: Welche Aufgaben hat die Bezirkssynode?

In der Bezirkssynode treffen sich Vertreterinnen und Vertreter aus allen Gemeinden und den verschiedenen Diensten unseres Kirchenbezirks. So wird die Gemeinschaft der im Kirchenbezirk verbundenen Gemeinden durch den Erfahrungsaustausch und viele Anregungen gefördert. Im Dienste der Leitung des Kirchenbezirks wirken die Bezirkssynode, der Bezirkskirchenrat, die Dekanin und die Schuldekanin zusammen.
In den mindestens 2x im Jahr stattfindenden Bezirkssynoden wird über aktuelle Themen informiert und beraten. Dazu werden kompetente Referenten eingeladen, die wichtige Anregungen geben können, die wiederum über die Synodalen in die einzelnen Gemeinden getragen werden. Die Bezirkssynode tauscht sich über Schwerpunkte in der kirchlichen Arbeit aus, es ist im nächsten Jahr wieder ein Kirchenkompassprozess mit der Synode geplant. Außerdem wird der Haushalt des Kirchenbezirks von der Synode beschlossen.

Frage 5: Wo sehen sie für die kommenden Jahre die größten Chancen, aber auch die größten Herausforderungen im Kirchenbezirk?

Unsere Gemeinden werden kleiner – durch den demographischen Wandel und auch dadurch, dass vielen Menschen nicht mehr einleuchtet, warum Kirche und der Glauben wichtig sein kann für ihr Leben. Wir erreichen viele Menschen nicht mehr und das kann uns nicht gleichgültig sein. Deswegen ist für mich eine große Herausforderung, dass wir mutiger von unserem Glauben reden, von dem, was unserem Leben Halt und Hilfe gibt.
Viele Menschen bei uns sind nicht mehr christlich aufgewachsen, es fehlt das Wissen über Grundinhalte des Glaubens. Deswegen begrüße ich die landeskirchenweite Initiative, möglichst flächendeckend Kurse zum Glauben anzubieten, damit Menschen in einem Kursangebot erfahren können, um was es beim christlichen Glauben geht und dann hoffentlich weiterfragen. Auch unser Kirchenbezirk wird im Frühjahr 2015 bei einem Projekt der Metropolregion Rhein-Neckar mitmachen, bei dem möglichst viel Gemeinden in einem bestimmten Zeitraum verschiedene Kurse zu Glauben anbieten werden, um eine breite Öffentlichkeit anzusprechen und für Fragen zum Glauben zu interessieren. Dafür wird dann gemeinsam in großem Stil geworben, dabei hilft uns die Landeskirche.
Eine weitere Herausforderung sehe ich neben der Verkündigung in den strukturellen Fragen. Wie stellen wir unsere Gemeinden und unseren Kirchenbezirk auf für die Zukunft, damit wir auch unter veränderten Bedingungen weiter gute kirchliche Arbeit tun und so am
Reich Gottes mitarbeiten können? Welche Gemeindegrößen sind sinnvoll, wie stärken wir die Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinaus, welche Gebäude brauchen wir, was können wir uns noch finanziell leisten?
Dabei möchte ich die strukturellen Fragen nicht gegen die inhaltlichen ausspielen. Denn genau wie die Verkündigung sehe ich die strukturellen Fragen auch als geistliche Fragen an: Unter welchen Bedingungen verkünden und leben wir das Evangelium?

Frage 6: Was war in ihrer sechsjährigen Amtszeit als Dekanin im Kirchenbezirk bislang Ihre wichtigste Erfahrung?

Ich habe viele schöne Erfahrungen gemacht und mich mit gefreut, wenn Gemeindeveranstaltungen gut gelungen sind und Menschen angesprochen haben. Ich spüre eine gute Atmosphäre unter den Kollegen und Kolleginnen und Solidarität. Es gab einen großen Wechsel unter der Pfarrerschaft, noch immer haben wir vakante Gemeinden, da bewegt sich sehr viel. Die beiden ehemaligen Bezirke Schwetzingen und Wiesloch sind gut zusammengewachsen, da gibt es keine Abgrenzungen mehr. Das alles sind für mich wichtige Erfahrungen in dem recht jungen fusionierten Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz.
Das Miteinander ist für mich ein ganz wichtiges Stichwort und das hat viel mit Kommunikation und Transparenz zu tun.
Alles in allem: es waren für mich schöne sechs Jahre und ich freue mich jetzt auf die Zusammenarbeit mit den neu gewählten Gremien.


Annemarie Steinebrunner
Sommer 2014

Zur Person

Annemarie Steinebrunner (Jg. 1961 ) wuchs in Lörrach auf und studierte
in Kiel Theologie. Von 1992 bis 1998 war sie Pastorin der Nordelbischen
Ev. - Lutherischen Kirche, seit 1999 Pfarrerin der Evangelischen
Landeskirche in Baden. 2008 wurde sie Dekanin des Kirchenbeziriks
Südliche Kurpfalz.

 

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