Bericht der Ökumenischen Konferenz am 12.10.2011 in Leimen von Thomas Mauerach
Ökumenische Konferenz der Hauptamtlichen zum Miteinander der Kirchen
Einmal im Jahr treffen sich die Mitarbeiter des Katholischen Dekanats Wiesloch und des Evangelischen Dekanats Südliche Kurpfalz zur Ökumenischen Konferenz. Besprochen werden Themen des pastoralen Alltags – in diesem Jahr Fragen der Ökumene. Auf Einladung der evangelischen Dekanin Annemarie Steinebrunner und des katholischen, stellvertretenden Dekans Jürgen Grabetz gaben die beiden Referenten Regionaldekan Klaus Rapp und Oberkirchenrat Gerhard Victor ihren Zuhörern Einblicke in Struktur und Zukunftspläne ihrer Kirchen und nahmen den Stand der Ökumene unter die Lupe.
Die evangelische Kirche richte sich derzeit strategisch aus, erläuterte Oberkirchenrat Gerhard Victor. Von den Kirchengemeinden bis hin zur Landessynode analysiere man die Situation, formuliere überprüfbare Ziele und zielführende Maßnahmen sowie entsprechende Kontrollkriterien. So könne nicht nur effektiver gearbeitet werden. Es sei möglich zu fragen, inwieweit Gott, der Urgrund sämtlicher Aktivitäten, im alltäglichen Tun transparent sei.
Demografisch werde in den nächsten 40 Jahren die Mitgliederzahl der Evangelischen Landeskirche Baden von derzeit 1,3 Millionen um 20 Prozent sinken. „Spätestens 2040 wird die Mehrheit der Kirchenmitglieder über 60 Jahre alt sein“, so Victor. Was die Pfarrstellen betreffe, so sei 2010 der Stellenschlüssel von 1970 erreicht worden: ein Pfarrer betreue momentan rund 2000 Gläubige. Finanziell seien die Stellen der Pfarrer bis 2040 gesichert. Schwieriger hingegen sei es bei den teils maroden und wenig genutzten Gebäuden. Viele müssten abgerissen, verkauft oder umfunktioniert werden.
Nicht zuletzt hier könne man sich ökumenische Kooperationen vorstellen, so Victor. Anfänge sind gemacht. Kirchen und Gemeindehäuser werden mancherorts bereits gemeinsam genutzt, die Trägerschaft von Kindergärten sei schon jetzt teilweise ökumenisch. Über diese rein praktischen Überlegungen der Gebäudenutzung hinaus betonte der Oberkirchenrat: „Die Ökumene hat für die Evangelische Landeskirche einen sehr hohen Stellenwert und Verpflichtungsgrad.“ Victor lobte die ökumenischen Beziehungen zwischen der Erzdiözese Freiburg und der Evangelischen Landeskirche, bedauerte jedoch zutiefst die trennenden Lehrunterschiede, die angesichts der Botschaft Jesu von Liebe und Einheit besonders schmerzlich seien. Gerade bei der Frage des gemeinsamen Abendmahls bräuchte es unbedingt neue und fundierte theologische Ansätze.
Regionaldekan Klaus Rapp schloss sich Oberkirchenrat Victor an und erinnerte an bestehende ökumenische Kooperationen: das Formular C beispielsweise, das im Bereich des Erzbistums Freiburg ökumenische Trauungen ermögliche, die ökumenischen Trägerschaften kirchlicher Einrichtungen wie Sozialstationen, Kindergärten und Telefonseelsorge, die Rahmenvereinbarungen zur ökumenischen Partnerschaft, die auf alle Ebenen ausgeweitet werden könnten und nicht zuletzt das sehr gute und partnerschaftliche Miteinander von Oberkirchenrat und Domkapitel in Baden. Gleichzeitig aber wies Rapp darauf hin, dass noch immer viele, vor allem theologische Fragen offen sind, an denen weiter zu arbeiten sei.
Die Zukunft der katholischen Kirche verheiße, so Rapp, sinkende Gläubigenzahlen. Bis zum Jahr 2030 werden in der Erzdiözese noch 220 Priester zur Verfügung stehen, 30 Prozent davon in der kategorialen Seelsorge (Krankenhaus, Militär, Gefängnis, Schule etc.), 70 Prozent im aktiven Pfarrdienst. Von den letzteren wiederum werden 80 Prozent eine Seelsorgeeinheit leiten, die anderen als Kooperatoren wirken. Besorgniserregend sei auch die Entwicklung bei den pastoralen Mitarbeitern. Schon jetzt könnten mehr Berufseinsteiger ausgebildet werden, als sich Interessenten bewerben. Der derzeitige Personalschlüssel solle künftig jedoch nicht verändert werden. Er liegt bei einem Hauptamtlichen pro 3000 Katholiken.
Und wie entwickeln sich die Gemeinden? Alle Seelsorgeeinheiten werden als Kirchengemeinden zu Körperschaften des öffentlichen Rechts. Einige Seelsorgeeinheiten fusionierten. Das lebendige Gemeindeleben vor Ort sei dabei jedoch im Blick, so Rapp! Durch die Zusammenlegung der Pfarrgemeinderäte und Stiftungsräte für die Finanzen bis 2015 könnten Kräfte gebündelt und Energien für die eigentliche Seelsorge freigesetzt werden. „Gemeindeteam“ heiße das Modell der Zukunft, in dem Ehrenamtliche arbeitsteilig mit Hauptamtlichen das Leben vor Ort zusammenhalten, stärken und fördern sollen. Erste Modellversuche hätten bereits Früchte getragen.
Ein gutes partnerschaftliches Miteinander in der Ökumene einerseits, unüberwindliche theologische Gräben andererseits. In dieser Spannung scheint sich die Ökumene zu bewegen, so das Fazit der beiden Referenten. Und wie der Austausch bei der Ökumenischen Konferenz zeigte, bestätigen die praktischen Erfahrungen vor Ort diese Einschätzung. Es gibt zahlreiche ökumenische Lichtblicke, gemeinsame Projekte und Einrichtungen. Ein partnerschaftliches Miteinander und praktische Verzahnungen erlauben es, Synergieeffekte zu nutzen. Andererseits behindern strukturelle und theologische Hürden ein barrierefreies Miteinander.
„Wenn es uns gelingt, gegenseitig immer mehr Transparenz nach innen zu fördern und nach außen hin solidarisch aufzutreten, dann steigt die Hoffnung auf Wachstum“, zog Gerhard Victor sein persönliches Fazit. Ähnlich auch Klaus Rapp: „Ein wichtiger Schritt ist es, den Partner wahrzunehmen, Bestehendes auszubauen und Neues auf den Weg zu bringen, denn es ist die Partnerschaft, die uns trägt.“ Dekanin Annemarie Steinebrunner zeigte sich dankbar für die seit Jahren bestehende Offenheit zwischen den beiden Kirchen in der Rhein-Neckar-Region. Transparenz und Offenheit seien die Bedingungen dafür, den anderen zu verstehen und nicht Dinge von ihm zu erwarten, die (theologisch bedingt) nicht möglich seien. Und dieses partnerschaftliche Miteinander fange schon beim regelmäßigen Austausch an – in Dienstgesprächen oder bei ökumenischen Konferenzen, gab der stellvertretende Dekan Jürgen Grabetz den Mitarbeitern der beiden Kirchen mit auf den Weg.
Bilder und Bericht Thomas Macherauch
Hier geht es zum Bericht auf den Seiten des Katholischen Dekanates mit Audiokommentaren und weiteren Bildern
Herzlicher Dank an Thomas Macherauch