Über seine Eindrücke beim Religionspädagogischen Tag am 6. März 2009 in der Johannesgemeinde Wiesloch berichtet Gemeindediakon Matthias Flender.
Ökumenischer
Religionspädagogischer Tag 2009
Warum, diese Frage stellen sich viele Menschen nach dem schrecklichen Vorfall in Winnenden. Warum, fragen wir uns immer wieder nach schlimmen, nicht erklärbaren Ereignissen. Doch die Antwort auf diese Warumfrage bleibt meist aus.
Dennoch müssen Beteiligte und Zeugen schrecklicher Ereignisse mit dem Erlebten umgehen und versuchen, wieder zur Normalität zu finden.
Eine Woche vor diesem schlimmen Ereignis war, aktueller könnte es nicht sein, „Schulseelsorge - zur seelsorgerlichen Dimension von Religionsunterricht“ Thema des Ökumenischen Religionspädagogischen Tag von ev. Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz und kath. Dekanat Wiesloch.
Für das zuständige staatliche Schulamt Mannheim sprach Daniel Hagermann das Grußwort. Er wies darauf hin, dass Schule heute zunehmend nicht nur Lernort, sondern Lebensort für viele Schüler ist. Schulseelsorge ist, wenn der Schüler mit seinen Nöten und Problemen Gehör findet. Dazu kann der Religionsunterricht einen wichtigen Beitrag leisten.
Gleichzeitig bedankte sich Hagermann für die von den vielen ReligionslehrerInnen geleistete Arbeit und sprach ihnen seine Anerkennung aus.
Religionspädagogin Eveline Drechsel, die am neu entstandenen Zentrum für Seelsorge in Heidelberg mitarbeitet, an einer Schule Religion unterrichtet und im Altenheim als Seelsorgerin arbeitet, hielt das Einstiegsreferat zum Thema, „seelsorgerliche Dimension des Religionsunterrichts“.
Anhand verschiedener Alltagssituationen aus dem Unterricht machte sie deutlich, wie viele Situationen seelsorgerliche Situationen sind oder Momente beinhalten, die eines seelsorgerlichen Umgangs bedürfen.
Dennoch kann seelsogerliches Handeln im Unterricht kein therapeutisches Handeln, keine Therapie sein. Sie kann Situationen besonderer Emotionalität auf- und ernst nehmen. Wobei das ernst- und annehmen des Schülers und seiner Befindlichkeit von besonderer Wichtigkeit im Religionsunterricht ist.
Birgit Wasserbäch, die Pfarrerin in Heidelberg Emmertsgrund war, berichtete aus ihrer langjährigen Praxis als Gemeindepfarrerin, aber auch als Notfallseelsorgerin, die, der Feuerwehr angeschlossen immer wieder seelsorgerliche Ausnahmefälle miterlebte. Der Tod ist für Kinder und Jugendliche auch solch ein „Ausnahmefall“.
Allermeist begegnet SchülerInnen der Tod bei alten Menschen in der Familie oder Umgebung. Oder es ist der Tod eines Haustieres, der Kinder mit der Sterblichkeit konfrontiert. Bei aller Trauer wird der Tod in solchen Situationen als etwas Natürliches erlebt.
Wenn dagegen Elternteile oder Gleichaltrige sterben, ist es für Kinder weitaus unfassbarer.
So erlebte Sie als Gemeindepfarrerin und als Religionslehrerin den tragischen Unfalltod eines kleinen Mädchens mit, das beim Spielen in einen Fahrstuhlschacht stürzte und Tage später den schweren Verletzungen erlag.
In den angemessenen Umgang mit solchen Situationen führte ihr Referat die Zuhörenden ein, sowohl in der Schule als auch im gemeindlichen Umfeld.
Dabei standen helfende Rituale genau so im Mittelpunkt wie stille Räume der Trauer, der Umgang mit Medien und Öffentlichkeit, um Gerüchten und Sensationslust entgegenzuwirken und auch die Schritte von der Ausnahmesituation wieder zurück in eine „Normalität“ des Lebens.
Ganz praktisch wurde es nach der Mittagspause, die nicht nur Gelegenheit zur Stärkung sondern auch zum Austausch bot. In vier Workshops konnte das Theoriewissen vom Vormittag nun noch einmal konkreter auf die täglichen beruflichen Handlungsfelder bezogen werden.
Darüber, wie Kinder und Jugendliche trauern, arbeitete die Referentin vom Vormittag, Evelyne Drechsel mit ihrer Gruppe.
Susanne Schneider-Riede führte ihre Arbeitsgruppe ins geistliche Leben ein unter dem Leitgedanken „Was tut meiner Seele gut“.
Einen „Notfallkoffer für Leidsituationen“ packten Jutta Stier und Heidrun Karrer für ihre Gruppe. Beide Religionslehrerinnen am Wilhelmi-Gymnasium Sinsheim teilten ihre Erfahrungen mit Trauersituationen an ihrer Schule mit.
Der unerwartete Tod einer Schülerin sowie der schnelle Krankheitstod einer jungen Kollegin stellten sie als Schulgemeinschaft vor eine Herausforderung, auf die man so nicht vorbereitet war.
Die Erfahrungen aus diesen beiden Trauersituationen ließen den „Notfallkoffer“ für Leidsituationen entstehen, der neben tatsächlichen Gegenständen wie Kerzen, Texten und Musik auch immaterielle Dinge wie die gemachten Erfahrungen und gut tuende Rituale enthielt.
Am Ende der Veranstaltung waren die Teilnehmer zwar keine Notfallseelsorger oder ausgebildete Trauerbegleiter, aber sensibilisiert für den Umgang mit seelsorgerlichen Situationen in der Schule und mit einem Thema, das in seinen unplanbaren Dimensionen immer eine eigene Herausforderung sein wird.